Recycling

Aus alt mach neu – das beherrschen die Schweizer.

Recycling: Schweiz ist top bei Papier, aber nicht bei Batterien

Umwelt In der Schweiz jammern wir bezüglich Recycling zwar auf hohem Niveau. Aber gerade als reiches Land gilt es, eine Vorbildfunktion einzunehmen. Da gibt es vor allem in Sachen Kunststoffsammlung aufzuholen.

Matthias Mehl

Matthias Mehl

Recycling macht glücklich. Zu dem Schluss kommt jedenfalls die Studie, die der WWF letztes Jahr in Auftrag gegeben hat. Dabei kam heraus: Die Menschen, die angaben, konsequent Glas, Kompost, Karton, Batterien oder PET zu recyceln, waren zufriedener mit ihrem Leben, als diejenigen, die nicht konsequent wiederverwerten.

Ob der Zusammenhang wirklich so einfach ist, sei dahingestellt. Sollte es aber stimmen, dann leben wir in einem glücklichen Land. Denn Fakt ist: Die Schweizer sind fleissige Recycler. Eurostat sammelt für die EU die Recycling- und Kompostier-Quoten. Der EU-Schnitt liegt bei 42 Prozent, die Schweiz weist 50 Prozent aus. Das will heissen: 2012 erzeugte ein Schweizer 694 Kilo Siedlungsabfall. Davon wurden 347 Kilo verwertet. Fast die Hälfte davon ist Altpapier (167 kg), knapp ein Drittel ist Kompost (106 kg). Der Rest teilt sich auf Glas (44 kg), elektronische Geräte (16 kg), Textilien (5.9 kg), PET (4.7 kg), Weissblech (1.6 kg), Alu (1.4) und Batterien (0.3 kg).

In der EU werden wir bezüglich Recycling-Quote nur von Belgien, Deutschland, Holland und Österreich überflügelt. Diese Zahlen sind aber zum Teil mit Vorsicht zu geniessen, weiss Patrik Geisselhardt, Geschäftsführer von Swiss Recycling. «Nur weil eine hohe Sammel-Quote ausgewiesen wird, heisst das noch nicht, dass der ganze getrennt gesammelte Abfall auch wirklich stofflich wiederverwertet wird. Es kann im Ausland auch vorkommen, dass zwar getrennt gesammelt wird, aber der Abfall trotzdem normal verbrannt wird».


Es gibt Verbesserungspotenzial

Wie gesagt, die Schweizer weisen durchaus eine hohe Quote auf. So werden laut dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) 97 Prozent des Papiers gesammelt, 96 Prozent des Glases und 92 Prozent des Aluminiums. «Es ist zwar quasi Jammern auf hohem Niveau, aber wir könnten noch mehr Batterien sammeln», wünscht sich Patrik Geisselhardt. Bei den kleinen Energiespendern liegt die Sammelquote nämlich nur bei 73 Prozent. Trotz der recht präsenten «Battery-Man»-Kampagne wird ein Viertel der Batterien nicht der Wiederverwertung zugeführt.

Patrik Geisselhardt führt das auf einige Faktoren zurück: «Zum einen sind Batterien sehr klein und gehen gern verloren. Zum anderen spielt beim Batteriensammeln auch der finanzielle Anreiz nicht.» Vielleicht wäre es einfacher, an das Sammeln der Batterien zu denken, wenn man daheim eine Recyclingstation hat. «Ich habe eine Station mit Fächern für Papier, Alu/Weissblech, PET, Glas, Batterien und Plastikflaschen», verrät Patrik Geisselhardt. Das gäbe es zum Beispiel als Turm für die Küche.

Interessanterweise gibt es zum Recycling von Firmenabfällen keine gesonderten Zahlen. Umso wichtiger ist es, bei Privaten genügend Sensibilität für das Thema zu schaffen. Dabei gehören Plastikflaschen, Kunststoffe und Getränkekartons laut Geisselhardt zu den Brennpunkten. «Im europäischen Vergleich sind wir in der Schweiz in Punkto Kunststoff-Recycling vordergründig total im Hintertreffen. Wobei eine neue Studie aus Deutschland gezeigt hat: Es werden zwar viele Verpackungen gesondert gesammelt, jedoch werden zwei Drittel davon trotzdem verbrannt», erklärt der Fachmann. Die Schweizer ziehen da Optimum dem Maximum vor. «Separat zu sammeln ist teuer. Deshalb sammeln wir selektiv –  und zwar das, wofür es dann auch einen Absatzmarkt gibt», erklärt er. So ergebe es beispielsweise keinen Sinn, Verpackungsfolien –etwa von Käse – zu sammeln. «Diese Folien sind nicht recyclierbar», betont Patrik Geisselhardt.

Zum Recycling von Firmenabfällen gibt es keine Zahlen. Umso wichtiger ist es, bei Privaten Sensibilität zu schaffen.


Nur wenn es wirklich nützt

Dass wir in der Schweiz bezüglich Kunststoff-Recycling stagnieren, führt Geisselhardt darauf zurück, dass die Schweiz vorsichtig ist und nur separat sammelt, wenn es einen Umwelt-Nutzen gibt. Ein Verbot hält er aber für politisch sehr schwierig. «Das wäre ein sehr starker Eingriff in die Wirtschaft. Man muss sich eher überlegen, welche Produkte man aus Kunststoff schafft und wie man diese recyclierfähig macht.»

Während also Kunststoff-Verpackungsfolien nicht wiederverwertet werden können, sieht das zum Glück bei den Plastik-Flaschen besser aus. Wer aber, um Plastik zu vermeiden, instinktiv zur Glas- statt zur PET-Flasche greift, könnte sich wundern. «Die Ökobilanz der beiden Flaschen ist recht ähnlich. Das Glas braucht viel höhere Temperaturen (1500 Grad) als das PET (220 Grad). Wichtig ist, beides zu recyclieren», erklärt der Swiss Recycling-Geschäftsführer.

Seit 1990 wird in der Schweiz PET gesammelt. Durch die wiederverwerteten Flaschen können im Moment laut PET-Recycling Schweiz gegenüber einer Neuproduktion 124 000 Tonnen Treibhausgase wie CO2 vermieden und knapp 50 Prozent Energie gespart werden. Welche Verpackung für welchen Getränketyp bezüglich Umweltverträglichkeit und somit auch bezüglich Recyclierfähigkeit ideal ist, hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) auf einem Faktenblatt zusammengestellt (bafu.admin.ch). Die ideale Verpackung ist somit auch davon abhängig, wo das Getränk konsumiert wird.

In der Migros können seit neustem nicht nur PET-, sondern auch Plastikflaschen flächendeckend entsorgt werden. Für diese Dienstleistung hat die Migros den «Swiss Recycling Award 2014» gewonnen. «Die Migros hat mit der Einführung der Plastikflaschensammlung Innovationskraft bewiesen. Sie ist als Branchenführerin vorausgegangen und hat diese sinnvolle Separatsammlung freiwillig und privat-wirtschaftlich eingeführt», so die Begründung. Nicht nur die Migros, die Schweiz als reiches Land im Allgemeinen sollte als Vorbild voranschreiten. «Die Rohstoffpreise werden steigen. Die Wirtschaft mehr Ressourcen benötigen. Umso wichtiger wird es werden, dass wir recyceln und dafür auch auf internationaler Ebene sensibilisieren und zusammenarbeiten».