Speicherung

Aus Strom wird Gas, dann wieder Strom.

Power-to-Gas: Energie-Überfluss nutzen

Stromnetz Die Energiewende ist als Thema allgegenwärtig. Während man in der Schweiz an der Energiestrategie 2050 herumnagt, testet man in Deutschland seit einem Jahr ein zukunftweisendes Projekt: Die Wasserstoff-Anlage in Falkenhagen löst die Speicherprobleme.

Matthias Mehl

Matthias Mehl

An einem stürmischen Tag könnten die Windkraftanlagen an der Küste Deutschlands schon heute einen Grossteil des gesamten Strombedarfs des Landes decken. Doch wenn die Windräder so richtig feste drehen, werden sie gedrosselt oder ganz abgeschaltet. Erscheint paradox. Der Grund: Der zeitweise Überfluss an Windstrom droht die Stromnetze zu überlasten. Hinzu kommt, dass vor allem Atomkraftwerke zu unflexibel sind, um kurzfristig herunter zu fahren. Der Atomstrom «verstopft» die Leitungsnetze und blockiert Windstrom. Deshalb werden Windkraftanlagen ausgerechnet dann abgeschaltet, wenn sie am produktivsten sind.

Durch den beschlossenen Atomausstieg und den künftigen Ausbau der Stromnetze wird zumindest ein Teil dieses Problems beseitigt. Dennoch wird es in den nächsten Jahren immer öfter zu einem Überschuss an Windstrom kommen, denn Windkraftanlagen werden künftig einen immer grösseren Anteil an der Stromerzeugung übernehmen.

Dabei kann überschüssiger Strom gespeichert werden. «Power-to-Gas» heisst die Technologie. Praktiziert in der Pilotanlage, die im brandenburgischen Falkenhagen steht und seit einem Jahr im Testbetrieb ist. «Damit soll ein wesentlicher Beitrag zur Lösung des im Zuge der Energiewende entstehenden Speicherproblems geleistet werden», heisst es von der Pressestelle des Energiekonzerns Eon, der für die Testanlage verantwortlich ist.

Beim Power-to-Gas-Verfahren wird aus überschüssigem Wind- und Solarstrom durch Elektrolyse aus Wasser Wasserstoff hergestellt. Dieser wird entweder direkt genutzt, oder zusammen mit Kohlendioxid zu Methangas gewandelt. In Falkenhagen werden im Jahr bis zu acht Millionen Kilowattstunden Gas produziert. Das entspricht etwa dem Gasverbrauch für Heizung und Warmwasser von 400 Einfamilienhäusern.


Schweizer mischen mit

Mitbeteiligt an der Testanlage sind auch die Eidgenossen. Die Swissgas AG hat sich stellvertretend für die schweizerische Erdgas-Wirtschaft als Projektpartner engagiert, mit 20 Prozent an die Anlageinvestition und dem Kauf eines Teils des erzeugten regenerativen Gases. «Wir sind überzeugt, dass die Lösung des Speicherproblems der Schlüssel ist. Zu einer Energiezukunft, die vermehrt auf erneuerbaren Energien basiert», so die Verantwortlichen der Swissgas AG.