Weiterbildung

Für eine nachhaltige Zukunft braucht es entsprechende Fachleute.

Ausbildung im Bereich Nachhaltigkeit

Ausbildung Für ein nachhaltiges Handeln braucht es vernetztes und ganzheitliches Denken. Immer mehr Angebote für die Aus- und Weiterbildung spiegeln dieses Bedürfnis.

Matthias Mehl

Matthias Mehl

Ressourcen sind in den meisten Fällen begrenzt. Wer sie auf lange Zeit nutzen möchte, tut gut daran sicherzustellen, dass sich Ressourcen regenerieren können und dass das System, in welchem man lebt und arbeitet, über eine gewisse Stabilität verfügt. «Nachhaltigkeit» nennt sich das Handlungsprinzip hinter diesem Denken, und was die meisten Naturvölker schon immer wussten, hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten auch im Bewusstsein westlicher Zivilisationen und ihrer Wirtschaftssysteme verankert.

Meldungen über die schwindende Biodiversität der Welt durch Ressourcenraubbau, Berichte über kippende oder bereits zerstörte Ökosysteme oder die Angst vor grossen sozialen Umwälzungen haben mit dazu beigetragen, dass der Begriff «Nachhaltigkeit» inzwischen in aller Munde und Teil vieler PR-Strategien ist. Mit einem stärker auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Handeln sollen – und können – unsere sozialen, ökonomischen und ökologischen Systeme für das Wohl zukünftiger Generationen bewahrt werden.

Die Bedeutung dieser Dimensionen der Nachhaltigkeit sei heute bereits vielen, auch jungen Menschen bewusst, sagt Heinz J. Bernegger, Dozent am Institut für Life Sciences und Facility Management der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). «Nachhaltiges Denken als Basis für nachhaltiges Handeln beginnt aber vor allem mit dem Erkennen von Zielkonflikten zwischen diesen Dimensionen.» Diese Zielkonflikte würde man in der Praxis immer dann finden, sobald ein Projekt, Produkt oder Thema im Bezug auf Nachhaltigkeit vertiefter analysiert werde.


Es gibt nur optimale Nachhaltigkeit

Auch aus diesem Grund ist das Thema Nachhaltigkeit seit langem ein wichtiger Bestandteil bei den Aus- und Weiterbildungsangeboten der ZHAW. «Nachhaltigkeit in der Bildung basiert einerseits auf dem Verständnis von komplexen Zusammenhängen und fordert andererseits das Erlernen von vernetztem Denken», sagt der diplomierte Architekt ETH Bernegger. Die Schwerpunkte seiner Arbeit liegen beim Life Cycle Management und der immobilienbezogenen Nachhaltigkeit, also der Nutzung und dem Betrieb von Gebäuden sowie dem planungs- und baubegleitenden Facility Management.

Bernegger ist es wichtig zu vermitteln, dass es bei einem Bauprojekt keine maximale, sondern nur eine optimale Nachhaltigkeit gibt, zumindest, wenn alle Bedürfnisse der relevanten Anspruchsgruppen wie die 2000-Watt-Gesellschaft sowie Investoren, Eigentümer, Betreiber- und Nutzerorganisation gleichberechtigt berücksichtigt werden. «Gebäude sind zudem erst dann wirklich nachhaltig, wenn auch deren Nutzung, Betrieb und Rückbau nachhaltig sind, respektive nachhaltig gemanagt werden.»

In der Lehre wird dieses Wissen am Institut für Facility Management anhand vieler konkreter Fallstudien behandelt. Sehr gute Projekte werden im Rahmen von Exkursionen analysiert und Stakeholder-Bedürfnisse beispielsweise mit Rollenspielen erarbeitet. Diese hohe Praxisorientierung gilt für alle

Weiterbildungsangebote der ZHAW, sagt Ursula Bonhage, die in diesem Bereich eine koordinierende und beratende Funktion innehat. Bonhage ist im Departement Life Sciences und Facility Management (LSFM) für die Weiterbildung zuständig und sieht es in einem dynamischen wirtschaftlichen Umfeld als grosse Herausforderung, dass die Fachhochschule einen nachhaltigen Praxisbezug gewährleistet und hoch hält.

«Damit unser Bildungsangebot praxisbezogen und so nahe wie möglich am Bildungsbedarf der Teilnehmenden ist, setzen wir auf eine intensive Zusammenarbeit mit der Industrie und Wirtschaft», sagt Bonhage. Dies sei besonders wichtig in der Weiterbildung, in der es laufend Veränderungen und Neuentwicklungen gäbe. Am Departement LSFM sind viele Dozierende auch in der Forschung tätig und häufig erhält die Fachhochschule auch konkrete Forschungsaufträge von Firmen. «So können wir immer die aktuellsten Forschungsergebnisse in unser Bildungsangebot integrieren.»

Die Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft ist bei der Weiterbildung sehr wichtig.


Praxisbezug als Schlüssel

Der Anspruch, dass die Aus- und Weiterbildung der Nachhaltigkeit verpflichtet ist, stellt gemäss Bonhage eine weitere Herausforderung dar: «Wir bewegen uns dabei in einem Spannungsfeld zwischen der Forderung, den Bestand zu erhalten, eben nachhaltig zu wirken, und der Forderung nach Veränderung und Weiterentwicklung, was ein wichtiger Fokus der Bildung ist.» Auch hierbei sei der Schlüssel eine hohe Praxis- und Bedarfsorientierung. «Durch unsere starke Zusammenarbeit mit Firmen und Industriepartnern ist die ZHAW in der Lage, deren Veränderungsbedarf zu erkennen und darauf einzugehen», sagt Bonhage.

Inhaltlich auf dem neuesten Stand zu sein und die Bedürfnisse der Studierenden zu identifizieren, sei jedoch nur ein Aspekt eines nachhaltigen Bildungsangebots. «Gerade in der Weiterbildung sind wir ständig auf der Suche nach neuen didaktischen Konzepten», sagt Bonhage. Dabei gehe es nicht nur um eine zunehmende Flexibilisierung des Bildungsangebots oder neuer didaktischer Formen wie e-Learning. «Wir suchen nach Lösungen für die Frage, wie wir einen lebenslangen und hochindividuellen Lernprozess unterstützen und begleiten können.»

In diesem Sinne sei es auch ratsam, dass sich Personen, die eine Weiterbildung absolvieren möchten, möglichst von einer Fachperson beraten lassen, welches Angebot zu welchem Zeitpunkt einer Karriere sinnvoll ist. «Eine Weiterbildung kann nur als nachhaltig bezeichnet werden, wenn das Gelernte auch in die Praxis transferiert und dort wirkungsvoll umgesetzt werden kann», sagt Ursula Bonhage. Und Heinz J. Bernegger ergänzt: «Es liegt heute in der Verantwortung von Bildung und Wissenschaft, den Begriff der Nachhaltigkeit verstärkt als Eigenschaft von vernetztem und ganzheitlichem Denken zu etablieren, um so den Menschen und sein Handeln ins Zentrum der Nachhaltigkeit zu stellen.»