Tanken

Wie kann die Mobilität nachhaltig werden.

Mobilität 2.0 – mehr Nachhaltigkeit

Umwelt Der Verkehr auf der Strasse hat zugenommen und wächst weiter. Höchste Zeit, sich Gedanken zu machen, wie die Mobilität der Zukunft aussehen soll. Das Zukunftsmodell des Bundes weist interessante Ansätze auf.

Matthias Mehl

Matthias Mehl

Verstopfte Strassen, Stau, Parkplatzmangel. Diese Begriffe kommen vielen Menschen in den Sinn, wenn es um den Individualverkehr in der Schweiz geht. Das Problem ist ein brennendes: Der Individualverkehr hat eine Kapazität erreicht, den die Verkehrsinfrastruktur kaum mehr schlucken kann. Und ein Ende der Zunahme ist nicht absehbar: Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) rechnet damit, dass der motorisierte Personenverkehr im Bereich bis 2030 um 20 Prozent zunehmen wird.

Durch diesen Anstieg stellt sich die Frage nach der Umweltverträglichkeit umso mehr. Die Herausforderung: Es muss gelingen, den CO2-Ausstoss der Fahrzeuge zu verringern. In diesem Bereich zeichnet sich bereits eine positive Entwicklung ab. So hat das Bundesamt für Statistik errechnet, dass der CO2-Ausstoss pro Personenkilometer kontinuierlich abgenommen hat (von 1997 bis 2010). Die Gründe dafür liegen in den Verbesserungen in der Fahrzeugtechnik. Sparsamere Motoren beispielsweise sorgen für weniger Verbrauch. Ein Wehrmutstropfen bleibt allerdings. Die Experten des Bundes kommen in der selben Untersuchung auch zum Schluss, dass die Verringerung des CO2-Ausstosses das Wachstum der Verkehrsleistung nicht kompensieren konnte. Die Emissionen stiegen im untersuchten Zeitraum um über zehn Prozent. Aber immerhin: Die grüne Mobilität zeigt erste Anzeichen, doch wie kommen wir zur Mobilität 2.0?


Modelle der Zukunft

Neue Lösungen sind also gefragt. Um zu bestimmen, in welche Richtung sich der Verkehr entwickeln muss, hat das UVEK Zukunftsmodelle und Verkehrsszenarien definiert. Herausgekommen ist eine Übersicht über die «Verkehrssysteme der Zukunft». Das UVEK geht darin davon aus, dass der Verkehr künftig stärker überwacht wird, mithilfe eines integrierten Verkehrsmanagements. Solche Überwachungs- und Leitsysteme sind in der Luftfahrt und im Schienenverkehr schon seit Jahrzehnten Standard. Sie werden sich auch im Strassenverkehr etablieren. Das Ergebnis: die «Intelligente Strasse». Sie erfasst und optimiert die Route jedes einzelnen Fahrzeugs situativ; dadurch wird der Strassenverkehr nicht nur flüssiger, sondern auch umweltfreundlicher und sicherer. Dank permanenter Interaktion zwischen Strasse, Fahrzeug und Lenker könnten kritische Verkehrssituationen frühzeitig erkannt und drohende Störfälle vermeiden werden.


Neue Antriebe sind nötig

Die Verkehrssysteme der Zukunft sollen auch sehr viel energieeffizienter sein als heute. Dazu tragen vor allem Fortschritte in der Antriebstechnik bei. Klar: Das grösste Potenzial sieht das UVEK beim motorisierten Individualverkehr. Dort werde sich der Trend zu immer sparsameren Motoren und alternativen Antriebsformen fortsetzen und verstärken wird. Eine wichtige Rolle spielt dabei der elektrische Antrieb, entweder in reiner Form für den städtischen Verkehr oder in Verbindung mit einem Verbrennungsmotor für längere Strecken. Das ist tatsächlich ein Trend in der Automobilbranche, der einen grossen Teil zu einer nachhaligeren Mobilität beiträgt. Ein Fernziel: Ein Antrieb mit Polymerelektrolytbrennstoffzellen. Das Problem: Die Elektroautos sind zwar umweltfreundlich, aber nicht immer ausdauernd. Zudem sind Wasserstoff-Tankstellen in der Schweiz zwar nicht Mangelware, aber auch noch nicht überall verbreitet. Dennoch zeigt sich, dass der Ansatz Potenzial hat, denn diese Technik kommt im Schweizer ÖV, konkret in Bussen, bereits zum Einsatz. Für Fahrzeuge mit sehr hohem Energiebedarf und grosser Reichweite wie Lastwagen sieht das UVEK bis 2030 allerdings keine realistischen Alternativen zu fossilen Treibstoffen. Eine einfache und konkrete Möglichkeit zur Effizenzsteigerung im Autoverkehr wäre ein besserer «Auslastungsgrad» der Fahrzeuge. Das bedeutet: Je mehr Menschen in einem Fahrzeug transportiert werden, desto besser. Das Prinzip des Car-Sharings ist in der Schweiz bekannt und etabliert, doch es besteht noch Ausbaupotenzial. Das gilt praktisch für jeden Aspekt des Verkehrs. Das generelle Fazit der Experten bringt das auf den Punkt: Welche Entwicklung die Verkehrsinfrastrukturen nehmen werden, sei aus heutiger Sicht offen. Sicher ist, dass die heute beschlossenen Ausbauten nicht ausreichen werden, um alle notwendigen und sinnvollen Verbesserungen der Verkehrsinfrastrukturen realisieren zu können.