Strom

Strom frei wählen. Was bringt das?

Liberalisierung des Strommarktes

Challenges Bereits seit fünf Jahren haben Grosskunden die Möglichkeit, ihre Stromlieferanten frei zu bestimmen. Die Politiker haben entschieden, dass frühestens ab diesem Jahr auch alle kleinen Strombezüger den Anbieter selbst wählen sollen. Wie sieht die Praxis aus?

Matthias Mehl

Matthias Mehl

Nicht nur Grossbetriebe brauchen Strom, auch alle privaten Haushalte benötigen eine gewisse Kilowatt-Leistung. Vom Toaster über die Waschmaschine bis hin zum Elektroauto – die Liste an Geräten, die Strom benötigen, ist lang. Bis vor wenigen Jahren war klar, dass der Staat, bzw. Bund und Kantone, die Stromlieferanten vorgeben. Damit die Schweiz künftig Teil des europäischen Netzverbundes bleibt, fördern und fordern unsere benachbarten Länder die Liberalisierung des hiesigen Strommarktes. Die Strommarktöffnung in der Schweiz ist keine leichte Aufgabe. Bereits per 1. Januar 2008 trat das neue Stromversorgungsgesetz (StromVG) in Kraft. Ein Jahr später folgte die erste Etappe der Liberalisierungswelle. Grosskunden, welche über 100 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr benötigen, steht es frei, ihren Stromanbieter zu wählen. Das StromVG sieht nach fünf Jahren einen zweiten Schritt der Liberalisierung vor, der zu einer vollständigen Marktöffnung führt. Dies aber nur unter einer Bedingung, nämlich: Das Volk muss zustimmen. Ein fakultatives Referendum wird in den nächsten Monaten ergriffen werden. Die Vernehmlassung zu dieser Änderung ist für diesen Herbst vorgesehen. Vermutlich wird Anfang 2018 der Strommarkt für alle Konsumenten geöffnet weden. In diesem Zusammenhang ist noch zu erwähnen, dass künftig nicht nur alle ein Recht auf frei-wählbaren Strombezug, sondern auch auf die Art der Produktion haben. Das Angebot an Stromproduzenten, welche Elektrizität ins Netz einspeisen, wird künftig stark zunehmen. Was aber bringt die Marktöffnung den Kleinkunden konkret?


Mehr als ein grosses Plus

Die Öffnung des Strommarktes soll allen Kunden – ob Privaten oder Firmen –  den marktwirtschaftlichen Wettbewerb garantieren. Dies führt in der Folge zu besserem Service und neuen Produkten und Dienstleistungen. Die Vorteile sind aber bereits seit 2009 deutlich spürbar: Eine hohe Versorgungssicherheit und eine grössere Kostentransparenz sind nur zwei von vielen Pluspunkten. Auf den Stromabrechnungen werden die Kosten für Netznutzung, Energielieferung, Abgaben und Leistungen an das Gemeinwesen sowie die Zuschläge auf die Übertragungskosten des Hochspannungsnetzes bereits seit fünf Jahren getrennt ausgewiesen. Die Elektrizitätswerke sind zudem verpflichtet, ihre Kunden über die Herkunft und den Mix des bezogenen Stroms schriftlich zu informieren.