Homeoffice

Grünes Office: Weniger Energie, mehr Komfort.

Green Office – Arbeiten im grünen Bereich

Umwelt Technik hat den Büroalltag in den letzten Jahrzehnten stark verändert und neue, aber oft weniger umweltfreundliche Formen des Arbeitens hervorgebracht. Mit dem steigenden Bewusstsein für Nachhaltigkeit hat das «Green Office» Einzug gehalten.

Matthias Mehl

Matthias Mehl

War Nachhaltigkeit früher bloss ein Schlagwort, gewinnt das Thema heute angesichts globaler Umweltveränderungen wie Klimawandel und Ressourcenknappheit in Politik und Wirtschaft an Bedeutung. Auch Unternehmen fühlen sich zunehmend verpflichtet, umweltfreundlich zu handeln und den Büroalltag nachhaltig zu gestalten. Dies hat zur Entstehung des «grünen Büros» geführt.

Das Green-Office-Konzept sucht Lösungen zur ökologisch nachhaltigen Gestaltung von Gebäuden und Räumen (Green Building & Interior) und der Informations- und Kommunikationstechnologie (Green IT) sowie zur Förderung von nachhaltigem Mitarbeiterverhalten (Green Behavior). Das Green Office ist bereits heute gefragt und künftig kaum wegzudenken. Gemäss Fraunhofer-Studie «Green Office 2014» befürworten rund drei Viertel der 158 Studienteilnehmer eine «ökologisch orientierte Gestaltung von Büroarbeit, Büroarbeitsplätzen und Büroinfrastruktur».


Erfolge erzielt

Der WWF Finnland lancierte bereits 2002 das erfolgreiche «Green-Office-Programm», das Firmen mithilfe eines Umweltmanagementsystems bei der Reduktion des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen sowie der Förderung des Umweltbewusstseins der Mitarbeiter unterstützt. In Finnland beteiligen sich 170 Firmen mit 70 000 Angestellten aus dem privaten und öffentlichen Dienstleistungssektor daran, u.a. Nokia, Microsoft Finnland sowie das Finanzministerium. «Firmen setzen sich mit uns Nachhaltigkeitsziele. Gemessen wird der eigene Fortschritt, nicht im Vergleich zu anderen Firmen», erklärt Helka Julkunen, Leiterin Green Office Programm. Allein 2013 konnten die CO2-Emissionen um 7048 Tonnen reduziert werden, was der Menge für 1000 Erdumrundungen per Auto entspricht.

Energieeffiziente Geräte sind wichtig, aber konsequentes Lichterlöschen ist wirkungsvoller.

Green Office als Begegnungsort

Der Nachhaltigkeitsgedanke, der angesichts der «Energiestrategie 2050» des Bundes wichtiger wird, ist längst in energieeffizientes und ressourcenschonendes Bauen und Renovieren eingeflossen. Im Gebäudebau existiert in der Schweiz eine Fülle von Standards zur Nachhaltigkeitsbeurteilung (LEED, Minergie, SIA oder SNBS), die gemeinsame Kriterien haben, aber gewisse Aspekte unterschiedlich gewichten.

Es existieren beispielsweise Mindeststandards für Energieeffizienz (Minergie) oder für die Nutzung erneuerbarer Energiequellen (Solarenergie, Windkraft). WWF International in Gland installierte 2013 im Rahmen des «Green-Office-Projekts» 110 Solarkollektoren auf dem Firmenflachdach, was zwölf Prozent des jährlichen Stromverbrauchs deckt. Während nachhaltiges Bauen gemäss Green-Office-Studie generell befürwortet wird, können sich Arbeitnehmer kaum einbringen. Anders bei der ressourcenfreundlichen Bürogestaltung, wo infolge veränderter Arbeitsanforderungen eigene Ideen gefragt sind, was Motivation und Produktivität beflügelt.

«Das Büro ist heute Begegnungsort, wo man auch unkompliziert Meetings abhalten oder einen Kaffee trinken kann», sagt Barbara Josef, Leiterin Kommunikation bei Microsoft Schweiz. Mitarbeiter arbeiteten vermehrt beim Kunden, im Home Office oder in Teams. Dem müsse bei der Raumnutzung Rechnung getragen werden. Beim Umbau ihres Bürogebäudes in Wallisellen konnte Microsoft durch eine «smartere Nutzung» die Fläche pro Mitarbeiter reduzieren. Statt Büros hätten sie nun mehr Meetingräume und Lounge-Zonen, die sie nicht heizen müssten.

Helka Julkunen von WWF Finnland bestätigt, dass 2013 die grössten Einsparungen in Firmen beim Energieverbrauch erzielt wurden – drei Prozent, was einer Reduktion der CO2-Emissionen um 6500 Tonnen entspricht. Energieeffiziente Bürogeräte seien wichtig, aber konsequentes Lichterlöschen sei wirkungsvoller, da dies den Energieverbrauch um bis zu 30 Prozent reduziere. Auch das Wohlbefinden der Mitarbeiter spielt eine Rolle. Ergonomisches Mobiliar, Tageslicht, Luftqualität oder Pflanzen können dies wesentlich verbessern.


Green IT hat Potenzial

Gemäss Green-Office-Studie setzen bereits drei Viertel der Unternehmen energieeffiziente Informations- und Kommunikationstechnik ein – Trend steigend, da immer günstigere, leistungsfähigere und energieeffizientere PCs, Tablets und Smartphones auf den Markt kommen. Die Kehrseite der Medaille: Der Stromverbrauch in der IT-Branche nimmt weltweit zu, unter anderem wegen der Energiedichte und Kühlung von Rechenzentren. Wie Microsoft und Google zeigen, bestehen aber Optimierungsmöglichkeiten.

Cloud Computing ist hier das Stichwort. Diese energieeffiziente Lösung hat grosses Potenzial, da Server und Rechenzentren zusammengefasst werden und weniger Energie brauchen. «Alles in der Cloud ist bei uns CO2-neutral», sagt Barbara Josef. Dies habe zur Verbesserung ihrer Umweltbilanz geführt. Google verfolgt das langfristige Ziel, sich ausschliesslich mit erneuerbarer Energie zu versorgen. Zurzeit seien es rund 30 Prozent für Betriebsvorgänge, aber sie testeten neue Technologien mit langfristigem Potenzial, so ein Sprecher.

Zu diesen Ideen gehören:

  • Ressourcenverbrauch bei Geräteherstellung, -gebrauch und –entsorgung senken
  • Virtualisierung reduziertAnzahl Server und Rechenzentren
  • Thin Client statt PC verlängertdie Gerätelebensdauer
  • Energy Star Symbol für emissionsarme Geräte


Green Behavior steigern

Arbeitnehmer können durch verändertes Mobilitätsverhalten viel zur Reduktion des CO2-Fussabrducks beitragen: öffentlicher statt privater Verkehr, Videokonferenzen statt Flugreisen, Home Office statt Reiseweg. Microsoft konnte so ihre CO2-Emissionen in den letzten fünf Jahren um 30 Prozent senken. Auch reduzierter Papierverbrauch und Standby-Betrieb, die Verwendung von Recyclingpapier, Dokumentationssystemen, Mehrweggeschirr und die Mülltrennung leisten einen Beitrag. Green Office hat an Akzeptanz und Marktpotenzial gewonnen, doch Standards fehlen weitgehend. Das Green-Office-Programm sei ein geeignetes Instrument, um Verbesserungen zu erzielen, so Julkunen. «Es in allen Ländern einzuführen ist unser Ziel und durchaus machbar.» Wichtig sei aber, die Mitarbeiter einzubinden.