Facility Management

Ein optimierter Betrieb spart Energie und Geld.

Facility Management: Branche mit Wachstumspotenzial

Effizienz Facility Management ist ein breiter Begriff mit fliessenden, branchenübergreifenden Grenzen. Die Branche setzt auf neue Technologien und hofft auf die Durchsetzung der Energiestrategie 2050.

Matthias Mehl

Matthias Mehl

Die ältere Generation hat noch die Bilder und Erinnerungen der guten alten Zeit im Kopf: Der Hauswart reinigt das Treppenhaus, mäht den Rasen, wischt den Vorplatz, schaufelt im Winter den Schnee weg und schaut überall zum Rechten. Eine Respektperson, deren Wort etwas galt und die meist auch gleich in der Liegenschaft wohnte.

Immer mehr Unternehmen und Liegenschaftsverwaltungen lagern die Verwaltung und Bewirtschaftung von Gebäuden, Anlagen und Einrichtungen mit den entsprechenden Prozessen an eine spezialisierte Firma aus. So ist im Laufe der letzten Jahre eine bedeutende Branche mit einem riesigen Marktvolumen entstanden, die Hunderttausenden einen Arbeitsplatz bietet. Legt man eine deutsche Studie auf die Schweiz um, kann man davon ausgehen, dass auch bei uns rund zehn Prozent im FM-Bereich arbeiten – das wären rund 450 000 Beschäftigte.

 

Abläufe ganzheitlich  betrachtet

Liegenschaften und Betriebsabläufe werden ganzheitlich koordiniert, die Reinigung und damit die Rolle des klassischen Hauswarts ist damit nur ein Element in der gesamten Bewirtschaftung. Und natürlich stehen auch hier die Kosten im Vordergrund: Die koordinierte Abwicklung soll unter dem Strich die Betriebs- und Bewirtschaftungskosten senken und die fixen Kosten auf ein nötiges Minimum beschränken. Dadurch wird ein weiteres Ziel erreicht, nämlich den Wert der Liegenschaften und Anlagen zu erhalten und auch die technische Verfügbarkeit zu sichern. Facility Management optimiert also den Betrieb, die Wirtschaftlichkeit, die Nutzung und schliesslich auch die Werterhaltung von Liegenschaften und deren Infrastruktur. Viele Unternehmen gehen aber noch einen Schritt weiter und lagern alles aus, was nicht zum eigentlichen Kerngeschäft gehört. Das kann auch die interne Post sein, Kurierdienste, Verpflegung, Sicherheitskonzepte und Bewachungsaufgaben.

 

Hunderte von Kleinst- und Familienfirmen

Startups haben das riesige Marktvolumen der Liegenschaftenbewirtschaftung längst entdeckt und so drängen sehr viele Kleinst- und Familienbetriebe auf den Markt, die meist nur einzelne Dienstleistungen wie Reinigungsarbeiten und Gartenpflege anbieten. Sie teilen sich den Markt mit ein paar wenigen Grossunternehmen. Das führe auch zu Problemen, wie der Verband Schweizer Reinigungs-Unternehmen, Allpura, sagt. «Schreibt ein Unternehmen einen Reinigungsauftrag aus, steht es nicht selten vor einer Vielzahl von Fragen. Oft mangelt es auf Kundenseite an fachlichen Kenntnissen über das Submissionswesen und über die Ausgestaltung von Verträgen für Facility Services.» Die Kunden neigen dazu, den Auftrag dem günstigsten Anbieter zu vergeben, der aber dann die Erwartungen an die Qualität nicht erfüllen könne. «Schaut ein Unternehmen bei der Vergabe nur auf den Preis, kann es kurzfristig Kosten einsparen. Unter dem Strich bringt dies jedoch selten finanzielle Vorteile», sagt Jasmine Jost, Zentralpräsidentin Allpura. «Zudem besteht bei solchen Dumping-Preisen oftmals eine Diskrepanz zwischen der angebotenen und der tatsächlich erbrachten Leistung. Dies wirkt sich schliesslich auch negativ für die Auftraggeber aus – sowohl in Bezug auf die Werterhaltung ihrer Gebäude wie auch bezüglich der Gesundheit ihrer Mitarbeitenden.» Nun soll ein einheitliches Submissionsformular Abhilfe schaffen.

 

Kurzfristig Kosten einzusparen bringt unterm Strich nur selten wirklich finanzielle Vorteile.

Gute Perspektiven für die Zukunft

Obwohl die grosse Outsourcing-Welle abgeschlossen ist und die meisten der grossen Büronutzer, Immobiliengesellschaften und Dienstleister diesen Schritt vollzogen haben, ist die Branche optimistisch aufgestellt. Als Potenzial werden grössere Industriebetriebe angesehen und vor allem auch die vielen Liegenschaften der öffentlichen Hand. Hier sind die Entscheidungswege länger und aufwändiger – und vor allem steht hinter solchen externen Vergaben oft ein langwieriger politischer Prozess.

Wenn der Bundesrat in Zukunft allenfalls mehr Druck ausübt, um die Energiestrategie 2050 durchzusetzen, könnte sich dies ebenfalls positiv auf die Facility-Management-Branche auswirken. Die Unternehmen wären dann gezwungen, auch die Energiekosten rund um die Bewirtschaftung ihrer Liegenschaften zu überprüfen. Branchenkenner gehen davon aus, dass durch ein effizientes, ganzheitliches und energiebewusstes Facility Management enorme Energiekosten eingespart werden können. So lassen sich zum Beispiel über automatische Steuerungen Schwankungen im Stromverbrauch ausgleichen und teure Leistungsspitzen verhindern. Je nach Branche und Gebäude sind allein durch diese Massnahme Stromkostenreduktionen von bis zu 40 Prozent möglich.

 

Der Kampf um Marktanteile nimmt zu

Der Preisdruck hat auch in der Facility-Management-Branche zugenommen. Die Opfer dieses Preiskampfes sind immer mehr die kleineren Firmen, die es sich nicht leisten können, in die neueste Technologie zu investieren, die nötig wäre, um gegen die Grossen im Markt konkurrenzfähig zu bleiben und mit den Marktpreisen mitzuhalten. Zudem sind die grossen Anbieter in der Lage, ganzheitliche Leistungen zu erbringen, oft auch solche, die weit über  den ursprünglichen Bezug zu einer Immobilie hinausgehen. Beispiele dafür sind, dass im Rahmen eines Gesamtpakets auch alle logistischen Leistungen übernommen werden oder auch das Personalrestaurant geführt wird.